Blick von Südosten auf den Falkenberg bei Judenburg

©Schinerl
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Hat das Gräberfeld einst so ausgesehen?

©G.Ranacher
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Die Ausgrabungen am Fürstengrab "Bleikolmhügel"

(Auszug aus dem Zwischenbericht von Mag. Dr. Georg und Mag. Susanne Tiefengraber, ISBE Institut für südosteuropäische Bronze- und Eisenzeitforschung)

 

Die im Frühjahr 2013 getätigten geophysikalischen Untersuchungen durch die ZAMG Archaeoprospections® (Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik Wien) zeigten neben zahlreichen anderen Gräbern in Judenburg-Waltersdorf am Grundstück der Familie Bleikolm ein überaus großes Fürstengrab. Daher entschloss sich der Arbeitskreis Falkenberg, dieses Grab im Herbst 2013 untersuchen zu lassen.

 

Die Grabungsarbeiten erfolgten wieder unter der Leitung von Mag. Dr. Georg Tiefengraber durch ein Team des Instituts für südostalpine Bronze‐ und Eisenzeitforschung ISBE.

 

Das Fürstengrab „Bleikolmhügel“ war ursprünglich ein hallstattzeitlicher Grabhügel mit gewaltigen Ausmaßen. Der Durchmesser hatte rund 70 m betragen, die Höhe wird etwa 10–12 m gewesen sein. Es ist damit das größte bisher gefundene Grab der Hallstattzeit im Südostalpenraum. Erfreulich ist der äußerst gute Erhaltungszustand der massiven Steinumfassung der Grabkammer mit den Abmessungen außen von 13x13 m und innen von 7x7 m und einer Höhe von bis zu 1,2 m. Die Grabkammer dürfte seinerzeit mit Holzbohlen etwa mannshoch errichtet worden sein. Den Zugang bildete ein ursprünglich mit Holz verschalter 12 m langer Eingangskorridor im Südsüdosten des Grabes.

 

Das Fürstengrab wurde vermutlich schon sehr früh beraubt, dennoch fanden sich zahlreiche Bruchstücke von Gefäßen aus Keramik und Glas sowie Teile von bronzenen Gegenständen. Besonders begeistert waren die Archäologen über die vielen organischen Reste wie Rindenstücke, Holzspäne und Blätter, die wegen des luftabschließenden Lehmbodens relativ gut erhalten sind. Die weiteren Untersuchungen werden hier sehr genaue zeitliche Angaben ermöglichen.

 

Die Ausgrabungen hatten für die Archäologen sowie den Arbeitskreis Falkenberg als Auftraggeber aber noch eine Überraschung parat: Es fanden sich 44 Körpergräber aus dem frühen Mittelalter (8. und 9. Jh. n. Chr.), die in den Grabhügel eingetieft waren. Schlecht erhaltene Skelettreste und zahlreiche Grabbeigaben erfordern seitens der Archäologen und Restauratoren noch Einiges an Untersuchungsaufwand.