Blick von Südosten auf den Falkenberg bei Judenburg

©Schinerl
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Hat das Gräberfeld einst so ausgesehen?

©G.Ranacher
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Der weltberühmte "Strettweger Kultwagen"

Viele Jahrhunderte lang ahnte niemand, welch geschichtsträchtige Gegend die Felder und Wiesen am Fuße des Falkenbergs bei Strettweg sind und was sich seinerzeit an den Hängen des Falkenbergs abgespielt hat. Ja nicht einmal, als ein Bauer bei seiner Feldarbeit auf verschiedene Bronzeteile stieß, erkannte man die Bedeutung dieser Region in der Hallstattzeit, also der frühen Eisenzeit.

 

Doch der Reihe nach: Im September des Jahres 1851 ebnete der Bauer Ferdinand Pfeffer vulgo Trögl auf seinem Feld einen Hügel und stieß dabei auf eine Ansammlung von Steinen. Nach deren Entfernung fand er Schmuck, eiserne Waffen, bronzene Amphoren, Zaumzeug und eben auch Figuren aus Bronze. Er wusste nicht, dass er auf ein monumentales Fürstengrab aus der Hallstattzeit gestoßen war. Daher gab Ferdinand Pfeffer die Bronzefiguren seinen Kindern zum Spielen. Erst der Pfarrkaplan Wilhelm Decrignis erkannte, dass es sich um etwas Besonderes handelt und informierte sachverständige Wissenschaftler in Graz. Der Kirchenhistoriker Mathias Robitsch ließ die Funde aufsammeln und nach Graz bringen. Einige Teile gingen jedoch verloren. Im August 1852 nahm Robitsch an der Fundstelle eine Nachgrabung vor und fand ergänzende und neue Gegenstände. Er ließ den „Kultwagen“ zusammensetzen und übergab ihn und die übrigen Funde dem Joanneum Graz.

 

Nach einigen eher mangelhaften Restaurierungsversuchen wurde der Kultwagen im Jahr 2006 im Römisch-Germanischen Zentralmuseum in Mainz endgültig restauriert. Obwohl sich zahlreiche Wissenschaftler/innen seit seiner Auffindung mit der Darstellung und dem Sinngehalt des Kultwagens von Strettweg beschäftigen, ist seine ursprüngliche Funktion bis heute unbekannt. Die dargestellte Szene könnte als Opferprozession gedeutet werden. Seit 1889 durfte der Kultwagen Graz nicht mehr verlassen, 1954 beschloss der Steiermärkische Landtag sogar ein Ausleih- und Transportverbot, das nur für die Restaurierung in Mainz und im Jahr 2012 für die Ausstellung in der Royal Academy of Arts in London aufgehoben wurde (Versicherungswert des Kultwagens 50 Mio Euro).
 

Wo wohnten die Fürsten?

Seit der Entdeckung des Fürstengrabes blieb die Frage nach dem Wohnsitz des Bestatteten ein ungelöstes Rätsel. Verschiedene Standorte wurden erwogen, die Hänge des Falkenbergs schienen wegen seiner Steilheit jedoch ausgeschlossen.

Durch gezielte Begehungen der Archäologen Mag. Susanne und Mag. Dr. Georg Tiefengraber im Jahr 2004 konnte jedoch im südlichen Gipfelbereich des Falkenbergs eine ausgedehnte prähistorische Siedlung ausgemacht werden.

Rund 3.000 bis 4.000 Bewohner sollen zwischen dem 8. und 6. Jahrhundert v. Chr. am Falkenberg gelebt haben. Bisher konnten über 20 Häuser auf den Siedlungsterrassen vollständig oder in Ausschnitten ergraben werden.

Die Gebäude wurden in diesen beiden Jahrhunderten mehrfach umgebaut oder neu errichtet. Die letzte Bauphase bestand aufgrund gut datierbarer Metallfunde genau zu der Zeit, in der der „Fürst“ mit seinem Kultwagen direkt unterhalb der Siedlung bestattet wurde.

Eisenabbau und Eisenverhüttung bildete die wirtschaftliche Basis der Siedlung, die offenbar weitreichende Kontakte bis in den oberitalienischen Raum pflegte. Danach brach die Siedlungstätigkeit am Falkenberg abrupt ab, bis jetzt konnten keine jüngeren Funde festgestellt werden.

 

Die Entdeckung weiterer "Fürstengräber"

Wegen der zunehmenden Gefährdung und Zerstörung durch die landwirtschaftliche Nutzung und illegale Sondengänger entschloss sich der 2011 von geschichts-interessierten Bürgern der Region gegründete Arbeitskreis Falkenberg, die Flächen rund um die Fundstätte des Kultwagens eingehender zu erforschen. Ende 2011 und Anfang 2012 fanden großflächige geophysikalische Untersuchungen (Bodenmagnetik- und Georadarmessungen) durch die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik Wien (ZAMG) statt. Die Ergebnisse übertrafen alle Erwartungen. Es konnte nicht nur die genaue Lage des „alten“ Fürstengrabes erfasst werden, sondern man entdeckte die Reste weiterer eingeebneter Hügelgräber.


Im Frühjahr 2012 wurde das Fürstengrab II (Tumulus II) vom bewährten Archäologenteam unter Leitung von Mag. Susanne und Mag. Dr. Georg Tiefengraber untersucht. Dabei wurden sensationelle Funde getätigt, die die herausragende Bedeutung dieser prähistorischen Stätte unterstreichen.


Im Herbst 2012 wurde nochmals das Fürstengrab I (Tumulus I) untersucht, in dem 1851 der weltberühmte Strettweger Kultwagens gefunden wurde. Trotz der erheblichen Störungen durch die unsensiblen Ausgrabungen im Jahr 1851 und 1852 konnte das Archäologenteam rund 4.000 Kleinfunde bergen, die sensationelle Ergebnisse erbrachten.


Im Bereich des in den Jahren 2011 bis 2013 prospektierten, hallstattzeitlichen Gräber-feldes setzten die Archäologen im Frühjahr 2013 beim Fürstengrab III (Tumulus III) ihre Grabungen fort. Obwohl bereits beraubt, konnte das Archäologenteam auch bei diesem Grab anhand des wenn auch geringen Fundmaterials wichtige Erkenntnisse gewinnen.


Fast zeitgleich zu den Grabungsarbeiten beim Tumulus III erteilte der Arbeitskreis Falkenberg der ZAMG Archaeo Prospections® (Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik Wien) den Auftrag für weitere geophysikalische Untersuchungen. Dabei stellte sich heraus, dass nicht nur das Gräberfeld in Judenburg-Strettweg größer als bisher angenommen ist, sondern auch in Judenburg-Waltersdorf ein überaus großes Fürstengrab geortet werden konnte.

Daher entschloss sich der Arbeitskreis Falkenberg, dieses Fürstengrab „Bleikolmhügel“ im Herbst 2013 untersuchen zu lassen. Die Grabungsarbeiten erfolgten wieder durch das Team von Mag. Dr. Georg Tiefengraber. Das Grab „Bleikolmhügel“ war ursprünglich ein hallstattzeitlicher Grabhügel mit gewaltigen Ausmaßen. Es ist damit das vermutlich größte bisher gefundene Grab der Hallstattzeit im Südostalpenraum.

 

Um das hallstattzeitliche Gräberfeld weiter auszuloten, beauftragte der Arbeitskreis Falkenberg die ZAMG im Herbst 2014 erneut mit der Prospektion eines rund 23 ha großen Gebietes in Strettweg. Es wurden wieder Hügelgräber geortet. Insgesamt haben die vier geophysikalischen Messungen über 140 Hügelgräber ergeben. Das Gräberfeld ist jedoch noch immer nicht in seiner gesamten Ausdehnung bekannt, es werden noch etliche Prospektionen erforderlich sein.

 

Inzwischen laufen die teilweise komplizierten Restaurierungsarbeiten auf vollen Touren. Einen großen Teil davon – vor allem Fundstücke aus Metall - hat in dankenswerter Weise das Römisch-Germanische Zentralmuseum in Mainz unter der Leitung von Prof. Dr. Markus Egg übernommen. Vieles – im Besonderen die Keramikfunde - wird auch in der Universität für Angewandte Kunst in Wien, Frau Univ.-Prof. Mag. Dr. Gabriela Krist, restauriert. Der Arbeitskreis Falkenberg hat zudem in Judenburg eine eigene Restau-rierwerkstätte eingerichtet, in der durch Dipl.-Restauratorinnen kleinere Fundobjekte, darunter über 2000 Bernsteinperlen, restauriert wurden und werden.


Besonders erfreulich ist, dass die Funde nach ihrer Restaurierung in Judenburg verbleiben und dort ausgestellt werden können.